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Eine Schachtel Pralinen oder – über die Kunst, Menschen zu sehen – Amtseinführung von OStDin Tanja Zeis am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Landshut 2

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man bekommt.“ Dieser Satz, mit einem Augenzwinkern aus dem Film Forrest Gump entlehnt, wurde als Motto in allen seinen Facetten von den Festrednern und der Schulleiterin immer wieder aufgegriffen, mit einem feinen Blick für das Detail und mit vielen zwischenmenschlichen Tönen beleuchtet. Der im Filmbusiness gerne gepflegte Brauch, Preise für Regie, beste Darsteller und bestes Drehbuch zu überreichen, umrahmte die Veranstaltung humorvoll.
Selten passte ein Motto so stimmig zu einem Menschen, zu einer Schule und zu einem Anlass wie an diesem 26. November 2025.
Die Band WinTaStad setzte mit dem „Fliegermarsch“ den ersten energiegeladenen Ton und geleitete musikalisch durch die Veranstaltung. Die spätere Auszeichnung „Beste Filmmusik“ war deshalb mehr als verdient. Doch erst als Elisabeth Westiner und Elisabeth Schmalz – die beiden stellvertretenden Schulleiterinnen von SWS und BS2 – mit einem Lächeln die Frage stellten, ob Tanja Zeis vielleicht tatsächlich unser eigener Forrest Gump sei, entspann sich jene kostbare Atmosphäre, wenn Herz, Humor und Respekt ineinandergreifen.
Die offizielle Einführung begann mit den Grußworten der Regierung von Niederbayern und mit Bezug auf die Filmindustrie attestierte Bereichsleiter Schulen, AD Ralf Reiner, der Entscheidung, Tanja Zeis die Führung des Schulzentrums zu übertragen, das Prädikat „eindeutig richtige Regieanweisung“. Seine Worte übermittelten nicht nur die Glückwünsche des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus als auch der Regierung von Niederbayern, sondern auch ein stilles Versprechen: Die Entscheidung für Tanja Zeis war nicht nur fachlich begründet, sondern menschlich getragen.
Fast ihr gesamtes berufliches Leben hat sie an der Berufsschule 2 verbracht. Das hinterlässt Spuren. Bei Schülern. Bei Betrieben. Und tief im Kollegium.
Ltd. RSchDin Maria Sommerer zeichnete daraufhin ein Bild von Führung, das heute anspruchsvoller ist denn je: Schule müsse Orientierung geben in Zeiten rascher Veränderung – Digitalisierung, Fachkräftemangel, Migration, Integration, KI. Ein Schulzentrum mit rund 2300 Schülerinnen und Schülern braucht Persönlichkeiten „mit Energie und Herz“. Diese Qualifikation habe Tanja Zeis in der Vergangenheit bereits überzeugend unter Beweis gestellt.
Der berufliche Werdegang von Tanja Zeis liest sich wie der rote Faden einer Person, die nie stehenbleibt. Von der Datenverarbeitungskauffrau bei Wacker Chemie führte der Weg zum Studium der Wirtschaftspädagogik an die LMU München. Es folgten Stationen im Referendariat in Ingolstadt und Altötting, bevor die Staatliche Berufsschule 2 Landshut zur beruflichen Heimat wurde.
Hier unterrichtete sie in unterschiedlichsten Fachbereichen; hier wuchs sie in der Organisationsabteilung in die Schulverwaltung hinein; hier leistete sie als Fachmitarbeiterin für Wirtschaft, Sozialkunde und Verwaltung sowie als Koordinatorin für Asylbewerber an der Regierung von Niederbayern Beiträge zur Bewältigung schulübergreifender Themen, hier sammelte sie Leitungserfahrung als stellvertretende Schulleiterin. Hier kultivierte sie Teamgeist, pflegte dabei aber auch eine persönliche Arbeitshaltung, die an den Aufgaben orientiert war, nicht an den tariflichen Dienststunden. Mit ihrer unverkennbaren Mischung aus klarer Analyse und wertschätzender Offenheit prägte sie in dieser Zeit bereits die Schulgemeinschaft.
Sie ist, so die Grußworte der Regierung, eine Führungspersönlichkeit, die sich auf Neues einlässt, die Empathie zeigt, Teamarbeit lebt und nicht zuletzt deshalb auch auf ein starkes Kollegium bauen kann.
Mit einem humorvollen „WOW“ begann Oberbürgermeister Alexander Putz seine Worte. Er würdigte die Vielseitigkeit von Tanja Zeis, ihre Energie und Tatkraft und die gute Zusammenarbeit mit dem Berufsschulzweckverband. Er erinnerte an gemeinsame Meilensteine – vor allem an die Generalsanierung der beiden Berufsschulen, „dem Leuchtturmprojekt schlechthin“. Dieses positive Beispiel der guten Zusammenarbeit verband er mit der zukünftigen Ausrichtung: Stärke aus Vertrauen und Zusammenhalt. Dass die neue Leitung „aus der Mitte der Schulfamilie“ komme, sei eine Ideallösung. Seine Wünsche an unsere Schulleiterin: Herz, Weitsicht und Tatkraft.
Christine Wagner von der IHK Niederbayern betonte die Bedeutung der Berufsschule als Standortfaktor. Schulentwicklung habe regionale Wirkung – und sie werde geprägt durch Menschen, die Verantwortung übernehmen. Die Verzahnung von beruflicher Bildung in praktischen und theoretischen Lernorten – Betrieb und Berufsschule – ist das Unterpfand für eine weiterhin erfolgreiche Perspektive der Auszubildenden, der Betriebe und damit letztlich auch der Region. Frau Wagner übermittelte die Glückwünsche der IHK und den Dank für die stets gute Zusammenarbeit.
Josef Bauer und Renate Harrer überreichten im Namen beider Personalratsgremien eine symbolträchtige Schultüte voller Humor und Tiefsinn: Drahtseile für die Nerven, Pralinen zur Stärkung, Handschuhe zur Schonung des Fingerspitzengefühls, eine Wasserwaage für Balance, ein Meterstab für Maß und Ziel, Glitzersocken gegen kalte Füße bei Entscheidungen, Oropax zum Abschalten, eine Wurst für Gelassenheit, damit auch einmal etwas egal („Wurst“) sein kann, eine Schere für den klaren Schnitt bei der Setzung von Prioritäten, ein Spiegel für Reflexion und Entspannungstee für ruhige Momente.
Sich selbst mit einer Pralinenschachtel auf dem Schoß als Filmfigur Forrest Gump in Szene gesetzt, sprach Tanja Zeis dann über ihren Anspruch, Mut, Balance, Neugier und Menschlichkeit im Schulalltag zum Tragen kommen zu lassen. Über die Kunst, Menschen zu sehen. Über Führung als Beziehung. Und über die Gewissheit, dass Schule gelingt, wenn man gemeinsam Wege findet – auch wenn dazu „manchmal nicht genug Steine da sind“, wie Forrest Gump es ausdrückte. Und sie sprach auch über Dankbarkeit. Neben vielen Worten des Dankes an Kollegen, Institutionen und Mitarbeiter hob sie charmant und voller Wertschätzung mit einer eigenen Auszeichnung – der „besten männlichen Hauptrolle“ –, die Bedeutung eines starken Partners, ihres starken Partners Chris im privaten Bereich hervor. Sie drückte ihn auf der Bühne herzlich für die vielen Jahre an der Seite einer nicht immer von dienstlichen Belangen unbelasteten Partnerin und alle Anwesenden applaudierten, weil sie fühlten: Stärke ist auch die Stärke des Partners, der Rückhalt gibt.
Nach dem offiziellen Teil öffnete sich die Aula zu einem lebendigen Raum: köstliches Buffet, launige Gespräche, mitreißende Musik, die den Funken zum Motto „Glitter and Glam“ bei „Tanjas After-Show-Party“ gnadenlos und radikal überspringen ließ. Es war ein unvergessliches Erlebnis, ein Ausblick auf die Jahre, die vor unserer Schule liegen: eine Ze(i)T (Achtung: Namenskürzel unserer neuen Schulleiterin!), die den Menschen sieht – Schüler wie Lehrer wie Personal – gleichzeitig aber auch die Aufgaben und die Mission, die über allem steht: Schule, die Menschen Zukunft möglich macht.
Anmerkung des Verfassers: vielleicht ist es wirklich wie im Film: ein bisschen Zufall, ein bisschen Schicksal, auf jeden Fall aber ein Aufbruch mit Herz und Tatkraft. Dieser Tag war nicht nur eine Amtseinführung, sondern eine Vision: Glück muss man suchen, man muss es aber auch schmieden, wie das Sprichwort sagt. Doch gemeinsam kann das gelingen; packen wir es an, gemeinsam mit „unserer“ Tanja an der Spitze.

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