Minimieren Maximieren

Einblick in die Welt der Transplantationsmedizin – Projekttag in Großhadern

Wie funktioniert eine Organspende? Welche Herausforderungen bringt eine Transplantation mit sich? Und wie sieht eine solche Operation in der Praxis aus?
Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich die Medizinischen Fachangestellten (MFAs) der Abschlussklassen bei einem spannenden Projekttag im Oktober am Transplantationszentrum des LMU Klinikums in Großhadern.
Den Auftakt bildete eine Einführung durch Dr. Schirren, der als Transplantationschirurg in Großhadern tätig ist. Er verdeutlichte, dass die größte Herausforderung der Organspende in Deutschland nicht im medizinischen Fortschritt liegt, sondern vor allem im Mangel an Spenderorganen. Viele Menschen warten jahrelang auf ein lebensrettendes Organ, manche von ihnen vergeblich. Bei einer Nierentransplantation kann die Wartezeit in Deutschland durchschnittlich bis zu neun Jahre betragen.
Ein wesentlicher Grund dafür ist die geltende Zustimmungslösung: Eine Organspende ist nur möglich, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten zugestimmt hat oder die Angehörigen stellvertretend eine entsprechende Entscheidung treffen. Da sich viele Menschen nicht rechtzeitig mit dem Thema auseinandersetzen, stehen Angehörige im Ernstfall häufig vor einer schwierigen Entscheidung.


Organspende zwischen Recht, Medizin und Ethik
Mit den rechtlichen Grundlagen der Organspende beschäftigte sich Katharina Höfling vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention. Sie erläuterte die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie die Entscheidungs- und Mitwirkungsrechte der beteiligten Personen. Dabei stellte sie auch aktuelle Entwicklungen vor: Seit 2024 gibt es ein zentrales elektronisches Organspende-Register, in dem Bürgerinnen und Bürger ihre Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende dokumentieren können.
Darüber hinaus ging sie auf die politische Diskussion um die sogenannte Widerspruchslösung ein. Nach diesem Modell gilt grundsätzlich jede Person als potenzielle Organspenderin bzw. potenzieller Organspender, sofern sie nicht zu Lebzeiten widersprochen hat.
Anschließend gab Linda Pichler von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) einen umfassenden Einblick in die medizinischen Voraussetzungen und den Ablauf einer Organspende. Besonders ausführlich erläuterte sie die Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls, die durch entsprechend qualifizierte, unabhängige Ärztinnen und Ärzte nach festgelegten Kriterien erfolgt. Erst danach können die weiteren Schritte einer möglichen Organspende eingeleitet werden. Dazu gehören die Gespräche mit den Angehörigen sowie die sorgfältige Untersuchung der Organe hinsichtlich ihrer Qualität und Funktion.
Die DSO übernimmt bei diesem Prozess eine wichtige koordinierende Rolle. Gemeinsam mit Eurotransplant, einem Verbund von acht europäischen Ländern, wird sichergestellt, dass verfügbare Spenderorgane nach strengen medizinischen und ethischen Kriterien vermittelt werden. Dabei spielen unter anderem die Dringlichkeit, die Erfolgsaussichten und die Chancengleichheit bei der Organvergabe eine wichtige Rolle.


Ein Patient berichtet aus eigener Erfahrung
Besonders eindrucksvoll war der persönliche Erfahrungsbericht eines Patienten, der am LMU Klinikum in Großhadern bereits zwei Nierentransplantationen erhalten hat. Die Schülerinnen nutzten die Gelegenheit, zahlreiche Fragen zu stellen, und erhielten offene und ehrliche Antworten aus erster Hand.
Dabei kamen auch die Herausforderungen zur Sprache, die eine Transplantation mit sich bringt: die Angst vor einer Abstoßung des Spenderorgans, die oft lange Wartezeit, die lebenslange Einnahme von Medikamenten und die Belastungen für die gesamte Familie. Der persönliche Bericht machte deutlich, dass hinter jeder Transplantation nicht nur eine medizinische Leistung, sondern auch eine ganz individuelle Lebensgeschichte steht.


100 Jahre Fortschritt in der Transplantationsmedizin
Ein weiterer Höhepunkt des Projekttages war der Vortrag von Dr. Jacobi über die wichtigsten Meilensteine der Organtransplantation in den vergangenen 100 Jahren. Die Schülerinnen erfuhren, wie zahlreiche medizinische und chirurgische Durchbrüche den Weg für moderne Transplantationen geebnet haben. Dabei standen grundlegende Fragen im Mittelpunkt: Wie lassen sich Blutgefäße präzise miteinander verbinden? Und wie kann das Immunsystem so beeinflusst werden, dass der Körper das neue Organ möglichst nicht abstößt?
Die anschaulichen Erklärungen regten zu vielen Nachfragen an. Dr. Jacobi beantwortete diese ausführlich und gab dabei auch persönliche Einblicke in die Arbeit und die Herausforderungen der Transplantationsmedizin.


Chirurgie hautnah: Eine Nierentransplantation im Film
Zum Abschluss wartete auf die besonders an Chirurgie interessierten Schülerinnen ein außergewöhnlicher Einblick in den Operationsalltag: Ein Film zeigte eine Nierentransplantation am LMU Klinikum in Großhadern.
Schritt für Schritt konnten die Schülerinnen den Eingriff verfolgen – vom chirurgischen Schnitt über das Abklemmen der Blutgefäße und das Einsetzen der Spenderniere bis hin zum sorgfältigen Vernähen der Gefäße. Besonders faszinierend war der Moment, in dem die transplantierte Niere unmittelbar nach dem Anschluss ihre Funktion aufnahm und über den Harnleiter Urin abgab.
Die Schülerinnen bedanken sich gemeinsam mit ihren Klassenleiterinnen Carmen Loibl, Katharina Müller, Eva Schatz sowie Ulrike Hieber und Alina Giacomelli sehr herzlich beim Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention sowie bei der Uniklinik Großhadern für die Einladung zu diesem gelungenen Projekttag.

Eva Schatz
Fachbetreuerin Gesundheit I/Wirtschaft

Zurück